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100 Jahre Mercedes-Benz WerkGaggenau

Daimler-Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche über das

"Bleiben Sie stolz auf das Label ,Gaggenau Inside′ "

Daimler-Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche über das "Werk mit Geschichte und mit Zukunft"
Bleiben Sie stolz auf das Label ,Gaggenau Inside´ Gaggenau (red) - In seiner Festrede stellt Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, nicht nur die Geschichte des Werks Gaggenau, sondern auch das Potenzial des Standorts heraus. Hier seine Rede in Auszügen:

"Das Murgtal in Baden hat auch mit dem Silicon Valley in Kalifornien einiges gemeinsam. Und damit meine ich nicht nur die schöne Landschaft oder das sonnige Wetter. Erstens ist hier wie dort auch das Klima für Start-up-Unternehmen besonders günstig. Zweitens stehen beide Regionen für Technologien, die aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken sind - auch wenn man das vielleicht auf Anhieb nicht sieht. (...)

Dieses Werk hat den Neuanfang quasi als Geschäftsmodell etabliert. Schon 1894 wurde hier beispielsweise der ,Orient-Express' produziert. Das Beste ist: Das war kein Zug, sondern ein Auto. Der Name war aber eine großartige Marketing-Idee. Denn zu der Zeit war die Bahn in der Region sehr populär. Das war vor Stuttgart 21... (...)

Dokumentation

Auch die meisten Autohersteller waren deutlich später dran als Gaggenau: Enzo Ferrari war zu der Zeit noch im Kindergarten. Adam Opel baute nur Fahrräder. Und Henry Ford hatte noch kein einziges Auto fertiggestellt.

Dabei ist der Orient-Express nur ein Beispiel für die ,Start-up-Qualitäten' von Gaggenau: In Gaggenau wurden 1895 auch die ersten Getriebe gebaut. Hier gab's den weltweit ersten Großraumbus und den ersten Diesel-Lkw. Man könnte also sagen: Gaggenau war auch aller Laster Anfang. Aber vor allem hat in diesem Werk natürlich eine automobile Legende ihren Ursprung: der Unimog. Manche sagen, das ist der John Wayne unter den Nutzfahrzeugen. Ich finde, das passt: Der Unimog braucht keine Straßen, er braucht nur einen Auftrag. (...)

Auch nach schmerzlichen Rückschlägen haben Sie hier immer wieder neu angefangen. Gaggenau ist nicht nur ein Start-up-Unternehmen, sondern auch ein ,Start-again-Betrieb'. (...) Denn auch wenn der Unimog nicht mehr in Gaggenau gebaut wird - der ,Unimog-Spirit' ist hier lebendiger denn je. Und damit meine ich nicht nur das Museum. Das ganze Werk ist wie sein berühmtestes Produkt: Durch nichts aufzuhalten.

Damit bin ich bei der zweiten Gemeinsamkeit: Ohne Technik ,made in Gaggenau' geht es nicht. Und ähnlich wie bei vielen Silicon-Valley-Start-ups sieht man das nicht gleich auf den ersten Blick. Selbst der weltgrößte Chiphersteller ist den meisten von uns nur deshalb ein Begriff, weil man auf Computern mit Intel-Prozessor immer diesen kleinen Aufkleber findet: ,Intel Inside'.

Eigentlich bräuchte fast jedes Daimler-Fahrzeug auch so einen Aufkleber. Auf dem müsste stehen: ,Gaggenau Inside'. (...) Von A- bis S-Klasse, vom Unimog bis Setra-Bus, vom Fuso Super Great aus Japan bis zu unseren Freightliner Trucks - alle verlassen sich auf Qualitätsarbeit aus dem Murgtal. (...) Bei Komponenten ist Gaggenau heute weltweit führend. Damit das auch so bleibt, haben Vorstand, Werkleitung und Betriebsrat im Dezember letzten Jahres die neue Betriebsvereinbarung auf den Weg gebracht. Gaggenau wird damit zum Anlauf- und Vorbereitungszentrum unserer globalen Getriebeproduktion ausgebaut. Außerdem hat das Werk die Zusage für Fertigung und Montage von Hybrid-Komponenten für Nutzfahrzeuge. (...) Und es gibt viele weitere Beispiele, die belegen: Gaggenau ist nicht nur ein Werk mit Geschichte, sondern auch ein Werk mit Zukunft. (...)

Meine Botschaft zu diesem 100. Geburtstag lautet: Bleiben Sie ein Start-up-Unternehmen. Bleiben Sie ein ,Start-again-Betrieb'. Und bleiben Sie stolz auf das Label ,Gaggenau Inside'. Sie haben allen Grund dazu. Vielen Dank, Happy Birthday und weiter so."

Quelle: Badisches Tagblatt vom 25. Feb. 2011