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"Eine Kutsche ohne Pferde, ohne Zugtiere, wie geht das?" Eine Frage, die man Gaggenauer IG Metall-Senioren nicht zu stellen braucht. Denn die meisten Teilnehmer des Nachmittags beschäftigten sich ein ganzes Arbeitsleben lang mit dem Bau von Motoren und Fahrzeugen.
Dennoch beinhaltete auch für sie die Zeitreise, mit Michael Wessel alias Theodor Bergmann und Dieter Dankwarth alias Georg Wiß, bestimmt einiges Neues. Sie drehten das Rad zurück in die "Pionierjahre des Gaggenauer Automobilbaus".
"Vor wenigen Wochen feierte man das 100-jährige Jubiläum des Benz-Werks." Daran erinnerte zu Beginn Seniorenclub-Vorsitzender Heinz Goll die große Teilnehmerschar. Doch den Grundstein hierfür legten unerschrockene, begeisterungsfähige und visionäre Erfinderköpfe wie Theodor Bergmann, Georg Wiß, Franz Knipfel und Joseph Vollmer. Es war eine kurzweilige und informative Reise in die Vergangenheit. Zunächst in das Jahr 1893, in dem Bergmann mit dem Automobilbau in Gaggenau begann. Er holte sich Menschen an seine Seite, die genauso begeisterungsfähig waren wie er selbst. Gemeinsam schrieb man Geschichte in der Automobilstadt.
Elf Fahrzeuge, darunter auch schon Lastkraftwagen, umfasste die Fahrzeugpalette der Industriewerke Bergmann. Der Industriepionier taufte seine ersten Automobile "Orientexpress".
Mit viel Liebe zum Detail und viel Humor zeichneten Wessel und Dankwarth deren Leben nach. Zeigten ihre Bedeutung für den Wohlstand der Region auf. Wie sie die Entwicklung von Gaggenau, aber auch dem seinerzeitigen Ottenau, auf dessen Gemarkung die Industriewerke gebaut wurden und später auch die Süddeutschen Automobilwerke standen, beflügelten. Nichts wurde von den Vortragenden ausgeklammert. Nicht die Waffenproduktion von Bergmann im thüringischen Suhl und nicht fehlende Finanzmittel, die Bergmann zu Überlegungen zwangen, den Fahrzeugbau auszugliedern - was zur Gründung der Süddeutschen Automobilwerke führte.
Anekdoten und Erinnerungen
Auch Anekdoten wussten die beiden Protagonisten zu berichten. Dokumentiert mittels eines durchaus ernst gemeinten Schreibens an das Großherzogliche Bezirksamt, die Ausgestaltung der betrieblichen Toiletten betreffend. Gezeigt wurden Bilder von Fahrzeugen zum Überwinden von Gräben, die die Aufgabenstellung an den späteren Unimog vorwegnahmen.
Man beleuchtete den Einstieg der Benz-Werke Mannheim in die Süddeutsche Automobilfabrik, wie auch den endgültigen Zusammenschluss der Daimler- und der Benz-Werke 1926. Wenngleich diese Zeit längst vergangen ist, ließ sie noch einige Erinnerungen wach werden.