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Die Dienstreise des jungen Werkstattleiters für die
Mercedes-Vertretung in Madagaskar, die wir auszugsweise veröffentlichen,
fing schon gar nicht gut an: "Bei der Einschiffung erfuhr ich, dass die
komplette Reise, ohne Verbindung zu Europa oder auch nur Madagaskar,
zirka drei Monate dauern würde. Ich war natürlich total platt, denn
jetzt erst sagte man mir, dass nach den Kerguelen die Reise weiter geht,
zunächst nach Terre Adelie in der Antarktis, dann zur Insel Saint Paul
und schließlich zur Insel Nouvelle Amsterdam, wo ich das zweite Fahrzeug
abliefern müsse. (...) Wie sollte meine zurückgelassene Frau mit dem
Neugeborenen eine so lange Zeit ohne Nachricht verkraften? Ich war dabei
den ganzen Kram hinzuwerfen", berichtet Wilfried Erb.
Dann ließ
er sich "überzeugen", die Reise anzutreten: Ein Daimler-Funktionär
machte ihn darauf aufmerksam, "die Reise auf die Kerguelen sei Teil
meines dreijährigen Arbeitsvertrags. Außerdem hätte ich dann nicht nur
die Rückreise selbst zu bezahlen, sondern auch die Anreise. Damals
kostete der Flug Paris-Tananarive rund 5000 Mark! Ich biss in den sauren
Apfel."
Nach einer an sich schon kuriosen Schiffreise kam Erb
endlich auf den Kerguelen an. "Als besonders wichtige Aufgabe wurde ich
angewiesen, eine vom Hauptlager 13 Kilometer entfernte seismographische
Station anzufahren. Speziell für deren Versorgung war der Unimog
angeschafft worden und der Präfekt versicherte mir auch, dass die
Anschaffung von weiteren Unimog vom Gelingen dieser Fahrt abhängt."
Die
Hinfahrt nach Molloy an der Küste entlang verlief reibungslos, sieht
man von See-Elefanten ab, die immer wieder den Weg versperrten. Doch vor
der Rückfahrt setzte die Flut ein, der Rückweg am Meer entlang war
nicht mehr möglich. Der 13 Kilometer lange Landweg bestand vor allem aus
Moränenfeldern und Sümpfen an den Ausläufern der Gletscher. "Diese
Sümpfe waren bedeckt durch das grüne Caena-Gras und man erkannte sie
erst als Sümpfe, wenn man drinsteckte."
In einem besonders tiefen
Loch war die Fahrt dann zu Ende: "Mein französischer Partner sprang mit
einem Aufschrei aus dem Fahrzeug und er versank sofort bis zu den Knien
im Morast. Er erwischte die Pritsche des Unimog, zog sich heraus und
schrie mir nur noch durch das Verdeck zu ,Sortez vite vite' - schnell,
schnell raus!
Bis zu den Hüften im schwarzen Morast
Es war
allerhöchste Zeit. (....) Ich kletterte durch das Klappverdeck auf die
Pritsche. Da der Unimog auch mit den Hinterrädern einsackte, sprangen
wir in den Morast und sanken sofort bis zu den Hüften in den Schlamm.
Wie wir wieder auf festen Boden kamen, weiß ich nicht mehr. Wir standen
schwarz mit Morast bedeckt, bei zirka fünf Grad plus und Wind von 60 bis
80 km/h drei oder vier Meter hinter dem langsam versinkenden Unimog.
Und es fing an zu dämmern!
Beide wurden wir uns schlagartig
bewusst, dass es ab jetzt um das pure Überleben ging. Wir waren
schätzungsweise noch acht Kilometer vom Lager Port aux Françaises
entfernt und die noch zu gehende Strecke war mir völlig, und meinem
Begleiter fast unbekannt. Wir froren jämmerlich und marschierten wie die
Wilden los. Vor allem wurde alles so schwierig, weil es inzwischen
völlig dunkle Nacht wurde. (...) Wir kamen zu Fuß nicht schneller
vorwärts als mit dem Fahrzeug und ich weiß nicht mehr, wie oft ich
gestürzt bin und wieder im Morast gesteckt habe. Die wattierten Hosen
zerrissen, beide Knie aufgeschürft, blutend und wieder mit Schlamm
verschmiert, aber meine Kamera in der Tasche blieb intakt!" Inzwischen
kam den beiden ein Suchtrupp etwa zwei Kilometer vor dem Lager entgegen.
"Dort wurden unsere Wunden gepflegt, ein heißes Bad und ein kräftiger
Schluck Bordeaux - und jetzt allmählich kam so der Gedanke auf, was wohl
mit meinem Unimog dort draußen los sein könnte. Am nächsten Morgen
wurde eine ganze Mannschaft mit Werkzeugen auf ein Fahrzeug mit großer
Seilwinde bereitgestellt, und mit viel Mühe kamen wir auch in etwa an
der Stelle an, wo ich mit dem Unimog eingesunken war. Nur - es gab
keinen Unimog mehr!
Da waren noch zwei braune Wasserlöcher, aus
welchen von Zeit zu Zeit eine Luftblase aufstieg, aber sonst nichts. Das
Drama war für mich vollständig! Der erste große Auslandseinsatz und
dann gleich ein Unimog weg und versenkt! Die Leute der Pioniereinheit,
die hier stationiert waren, erklärten mir auch sofort, dass mein Unimog
,perdu pour toujours' (verloren für immer) sei.
Meine nächste
Sorge war die Reaktion meiner Chefs, und es gab noch nicht einmal eine
vernünftige Verbindung nach Deutschland, um meine Pleite in das Werk zu
melden. Natürlich war nach dieser Geschichte an einen Anschlussauftrag
nicht mehr zu denken."