Landtechnik, die lebt: Youngtimer-Feldtag Nordhorn 2026

Impressionen von UCG-Mitglied Michel Kaiser

Manchmal entstehen gerade aus Plänen, die nicht aufgehen, besondere Veranstaltungen. Der Youngtimer-Feldtag in Nordhorn am 19. September 2026 ist dafür ein gutes Beispiel. Eigentlich sollte auf großen Flächen gehäckselt, gerodet und anschließend Boden bearbeitet werden. Doch die außergewöhnliche Trockenheit zwang den Verein „Youngtimer Landtechnik im Einsatz e. V.“ kurzfristig zum Umdenken. Statt einer Absage entstand auf dem Gelände der EUVA-Verkehrsakademie ein Feldtag, der eindrucksvoll zeigte, wie lebendig und vielfältig die Youngtimer-Szene heute ist. Rund 1.600 Besucher und etwa 200 Fahrzeuge und Maschinen sorgten für eine bemerkenswerte Kulisse.

Generationentreffen, der neueste Unimog U 435 Agrar mit dem damaligen Flaggschiff MB-trac 1500

Die Trockenheit änderte alles

Die ursprünglichen Planungen waren ambitioniert: Rund 16 Hektar Mais sollten gehäckselt, auf weiteren 1,5 Hektar Rüben gerodet und anschließend Bodenbearbeitung gezeigt werden. Doch der trockene Sommer 2026 machte dieses Konzept unmöglich. Am Ende standen noch etwa drei Hektar Mais zur Verfügung, dafür konnten rund 20 Hektar für die Bodenbearbeitung genutzt werden.

Auch der Veranstaltungsort wurde kurzfristig geändert. Mit dem rund 13 Hektar großen Gelände der EUVA-Verkehrsakademie fand der Verein jedoch weit mehr als eine Notlösung. Der ehemalige Nike-Stützpunkt bot ausreichend befestigte Flächen für die Ausstellung und mit seinem rund 1,3 Kilometer langen Geländeparcours eine außergewöhnliche zusätzliche Attraktion.

Insbesondere die Unimog konnten dort zeigen, was in ihnen steckt. Die Mitfahrgelegenheiten wurden von den Besuchern entsprechend gut angenommen.

Youngtimer gehören auf den Acker

Das Herzstück eines Feldtages bleibt der praktische Einsatz. Und auf den rund 20 Hektar Bodenbearbeitungsfläche hatte Nordhorn einiges zu bieten.

Ein In-trac beim Häckseln auf dem Maisacker und ein IHC fährt den gehäckselten Mais ab

Zu den seltensten Maschinen gehörte ein IN-trac 6.60 mit Maishäcksler. Das 150 PS starke Spitzenmodell der IN-trac-Reihe ist mit lediglich 67 gebauten Exemplaren ohnehin eine Ausnahmeerscheinung. Einen solchen Systemschlepper heute noch einmal im Ernteeinsatz zu erleben, machte den Auftritt entsprechend besonders.

Nicht weniger interessant war ein CLAAS Xerion 3000 mit Rübenroder. Der Xerion der ersten Generation mit seinem großvolumigen Perkins-Sechszylinder steht für eines der ungewöhnlichsten Schlepperkonzepte der ausgehenden 1990er-Jahre. Was damals moderne Großtechnik war, ist inzwischen selbst im Youngtimer-Alter angekommen.

Gigant im Hintergrund, im Vordergrund ein Unimog U 403 beim Pflügen dahinter der Xerion 3000 mit aufgebautem Rübenroder

Mit einem MB-trac 1600 turbo auf Doppelbereifung und Grubber arbeitete einer der großen Mercedes-Benz-Systemschlepper auf dem Acker. 156 PS aus dem knapp sechs Liter großen OM 366 A und die großen, gleich dimensionierten Räder machten ihn zu einem leistungsfähigen Zugschlepper seiner Generation.

Daneben zeigte ein Fendt Favorit 612 LSA auf Doppelbereifung mit Evers-Grubber, weshalb die große 600er-Baureihe bis heute eine feste Größe in der Youngtimer-Szene ist.

Besonders eindrucksvoll präsentierte sich ein MB-trac 1500 mit Kverneland-Stoßpflug in der Front und Kverneland-Pflug im Heck. Mit 150 PS gehörte der 1500 zu den leistungsstärksten deutschen Ackerschleppern seiner Zeit. Die Pflugkombination machte zugleich sichtbar, welche Möglichkeiten das Systemschlepperkonzept bei der Geräteanordnung bot.

Für eine völlig andere konstruktive Philosophie stand schließlich ein John Deere 7020 mit John-Deere-Scheibenegge. Der bereits Anfang der 1970er-Jahre vorgestellte amerikanische Knicklenker bildete einen eindrucksvollen Kontrast zu den europäischen Standard- und Systemschleppern.

Und genau solche Gegensätze machten Nordhorn aus: Nicht eine Marke oder ein Fahrzeugkonzept bestimmte das Bild. Auf demselben Acker ließ sich erleben, wie unterschiedlich Hersteller in Europa und Nordamerika die Anforderungen leistungsfähiger Landtechnik lösten.

Der John Deere Knicklenker 7020 mit Scheibenegge auf der Ackerfläche

Hochglanz und ehrliche Patina

Auch abseits der Vorführfläche gab es viel zu entdecken. Zwischen vollständig restaurierten Schleppern und Fahrzeugen in ehrlicher Originalpatina war nahezu alles vertreten.

Gerade diese Mischung tat der Veranstaltung gut. Denn nicht jeder Youngtimer muss aussehen, als hätte er gestern das Werk verlassen. Ein erhaltenes Fahrzeug mit den Spuren jahrzehntelanger Arbeit kann ebenso viel Faszination ausstrahlen wie eine aufwendig restaurierte Maschine.

Dazu kam eine bemerkenswerte Markenvielfalt. Unterschiedliche Hersteller, Leistungsklassen und technische Konzepte standen selbstverständlich nebeneinander. So entstand ein Querschnitt durch jene Landtechnik, die vor wenigen Jahrzehnten noch das alltägliche Bild auf europäischen Höfen und Feldern bestimmte.

MB-trac und Unimog im Mittelpunkt

Einen besonderen Schwerpunkt bildeten 2026 MB-trac und Unimog. Passend dazu rückte auch das Jubiläum 50 Jahre schwere MB-trac-Baureihe in den Fokus – schließlich begann deren Geschichte 1976.

Für Kenner standen in Nordhorn einige bemerkenswerte Fahrzeuge.

Ein MB-trac 1800 intercooler in originalem Saftgrün markierte mit seinen 180 PS praktisch den Endpunkt der serienmäßigen MB-trac-Entwicklung. Gerade einmal 190 Exemplare dieses Spitzenmodells entstanden 1990 und 1991.

Der Unimog 403 und der MB-trac 65/70 haben vieles gemeinsam, die Teilegleichheit war hier damals das entscheidende Kriterium für den Bau des MB-trac

Am anderen Ende der Geschichte stand ein MB-trac 65/70 mit der Fahrgestellnummer 36. Das Fahrzeug gehört damit in die unmittelbare Frühphase des MB-trac und ist bereits im Zusammenhang mit der Premiere des neuen Schleppers auf der DLG-Ausstellung 1972 dokumentiert. Zwischen einem derart frühen 65/70 und dem 1800 intercooler lagen in Nordhorn fast zwei Jahrzehnte Entwicklungsgeschichte nur wenige Schritte auseinander.

Eine weitere Besonderheit waren alle drei Baumuster des MB-trac 900: der frühe 440.164 als Mittelschalter, der ab 1983 gebaute 440.169 als Seitenschalter und schließlich der 440.173 der letzten Generation. Mit diesem wechselte auch der Motor vom 3,8-Liter-OM 314 A zum moderneren 4,0-Liter-OM 364 A; die Leistung stieg von 85 auf 90 PS.

Hinzu kamen verschiedene Sonderfarben und Ausstattungsvarianten. Gerade diese Fahrzeuge machten die Ausstellung für Kenner interessant. Es ging nicht allein darum, möglichst viele MB-trac zusammenzustellen, sondern unterschiedliche Entwicklungsstufen und Ausführungen einer fast zwei Jahrzehnte währenden Modellgeschichte sichtbar zu machen.

Unimog nicht nur zum Anschauen

Auch der Unimog war prominent vertreten. Die Unimog-Generalvertretung RKF-Bleses stellte einen U 435 Agrar in Saftgrün aus und schlug damit die Brücke zum landwirtschaftlichen Ursprung des Unimog.

Der Unimog des UCG fuhr auf dem Geländeparcour seine Runden und nahm Interessierte Besucher mit


Der Unimog-Club Gaggenau e. V. war ebenfalls vor Ort. Sein Unimog blieb erfreulicherweise nicht hinter dem Absperrband stehen, sondern drehte auf dem 1,3 Kilometer langen Geländeparcours seine Runden. Besucher konnten mitfahren und die Geländefähigkeiten des Fahrzeugs unmittelbar erleben.

Eröffnet wurde der Feldtag von Michel Kaiser, Ressortleiter MB-trac im Unimog-Club Gaggenau. In einem anschließenden Fachvortrag widmete er sich der Geschichte und Entwicklung des MB-trac. Gemeinsam mit Tobias Kreh begleitete Kaiser die Veranstaltung zudem für das Social-Media-Team des UCG und hielt zahlreiche Eindrücke in Bild und Video fest.

Von SAPHIR bis zum Funktionsmodellbau

Auch Unternehmen und Händler ergänzten das Programm. SAPHIR Maschinenbau stellte für den Feldtag eine Messerwalze zur Maisstoppelbearbeitung zur Verfügung. Mit Felix Soffel war zudem ein Ansprechpartner des Unternehmens persönlich in Nordhorn vertreten.

Eine andere Größenordnung präsentierten die Modellfreunde Münsterland. Zahlreiche Mitglieder zeigten mit funktionsfähigen Bau- und Landmaschinen, wie technisch anspruchsvoll moderner Funktionsmodellbau inzwischen geworden ist. Gerade für Familien und jüngere Besucher bildete dieser Bereich eine sehenswerte Ergänzung zur Landtechnik im Maßstab 1:1.

Mehrere Teile- und Prospekthändler, der Modellkontor mit einer Auswahl an Modellen sowie Emslandtools, wo vor Ort Jacken mit MB-trac- und Unimog-Motiven bedruckt wurden, rundeten die Veranstaltung ab.

So war Nordhorn eben nicht nur Feldtag, sondern zugleich Ausstellung, Teilemarkt und Treffpunkt einer stetig wachsenden Szene.

Leidenschaft, die weit über ein Treffen hinausgeht

Untrennbar mit dem Youngtimer-Feldtag und seiner Geschichte verbunden ist Hartmut Diekmann, 1. Vorsitzender des veranstaltenden Vereins. Über Jahrzehnte hat er die MB-trac-Szene mit außergewöhnlicher Leidenschaft begleitet, geprägt und mit Leben gefüllt. Wer daraus, dass in Nordhorn heute Youngtimer unterschiedlichster Hersteller willkommen sind, eine Abkehr vom MB-trac ableiten möchte, verkennt die Geschichte – und vor allem den Menschen dahinter.

Ich kenne Hartmut seit Jahrzehnten. Der MB-trac ist für ihn weit mehr als ein historischer Schlepper. Er ist ein wesentlicher Teil seines Lebens und seiner

Leidenschaft. Was Hartmut über viele Jahre für den MB-trac und die Gemeinschaft rund um diese Fahrzeuge geleistet hat, verdient Anerkennung. Diese Begeisterung verbindet uns, denn auch für mich ist der MB-trac weit mehr als nur ein Stück Landtechnik.

Alle 3 Generationen des 900er MB-trac waren vertreten

Verändert hat sich nicht diese Leidenschaft, sondern vielmehr der Blick darauf, was eine gute und lebendige Szene ausmacht. In Teilen der MB-trac-Szene rückten in den vergangenen Jahren mitunter Marktwert, Besitz und der Anspruch, etwas Besonderes zu haben, stärker in den Vordergrund als die gemeinsame Freude an Technik, Geschichte und praktischem Einsatz. Das Team in Nordhorn wollte deshalb wieder stärker jene Menschen zusammenbringen, denen es vor allem um die Maschinen, ihre Geschichte und das gemeinsame Hobby geht.

Nordhorn zeigte eindrucksvoll, wie gut das funktionieren kann. Ob jemand mit einem seltenen MB-trac, einem Fendt, John Deere, Intrac oder einem anderen Youngtimer anreist, ist letztlich zweitrangig. Entscheidend sind die Begeisterung für die Technik, der respektvolle Umgang miteinander und die Bereitschaft, diese Leidenschaft mit anderen zu teilen.

Ausgeschlossen wird deshalb niemand – ganz im Gegenteil. Bei den Youngtimer-Freunden in Nordhorn ist jeder willkommen, der echte Freude an der Technik und am gemeinsamen Hobby mitbringt.

Vielleicht ist gerade das die konsequenteste Fortsetzung dessen, wofür Hartmut Diekmann und sein Team seit vielen Jahren stehen: nicht weniger Leidenschaft für den MB-trac, sondern mehr Raum für Menschen, die dieselbe Begeisterung für historische Landtechnik teilen.

800 Kilometer auf eigener Achse

Wie weit die Ausstrahlung des Youngtimer-Feldtages inzwischen reicht, zeigte nicht nur die Zahl von rund 1.600 Besuchern. Gäste machten sich aus Großbritannien, Schottland und Irland auf den Weg nach Nordhorn – selbst aus Kanada waren Besucher angereist.

Eine Geschichte aber brachte die Begeisterung für diese Veranstaltung besonders eindrucksvoll auf den Punkt: Ein Doppstadt trac 160 reiste aus der Schweiz auf eigener Achse an. Annähernd 800 Kilometer legte der Youngtimer auf der Straße zurück, bevor er das Veranstaltungsgelände in Nordhorn erreichte.

Eine solche Anreise ist mehr als nur eine bemerkenswerte Kilometerleistung. Sie zeigt, was diese Szene ausmacht. Wer mit einem inzwischen historischen Systemschlepper

eine derartige Strecke unter die Räder nimmt, kommt nicht, weil gerade irgendwo ein weiterer Oldtimertermin im Kalender steht. Dahinter stecken Begeisterung für die Maschine, Abenteuerlust und die Freude daran, Gleichgesinnte zu treffen.

Dass Besucher sogar aus mehreren europäischen Ländern und aus Kanada nach Nordhorn kamen, unterstrich zugleich, dass die Faszination für die Landtechnik dieser Generation längst nicht an Landesgrenzen endet.

Vielfalt statt Einheitsbild

Vielleicht war genau diese Mischung die größte Stärke der Veranstaltung.

Rund 200 Fahrzeuge bedeuteten eben nicht 200 nahezu identische Schlepper. Unterschiedliche Marken, Leistungsklassen und technische Philosophien zeichneten gemeinsam ein Bild der Landwirtschaft der vergangenen Jahrzehnte.

Treffen der 100 PS Klasse

Für manche Besucher waren es die Maschinen ihrer eigenen beruflichen Vergangenheit. Andere kennen sie als Liebhaber und Sammler. Und einige der Fahrzeuge stehen selbst heute noch regelmäßig im praktischen Einsatz.

So trafen in Nordhorn Praktiker auf Sammler, Originalitätsfreunde auf Restaurierer und Landwirte auf Technikbegeisterte. Dabei entstand eine angenehm unkomplizierte Atmosphäre. Der veranstaltende Verein und seine Helfer zeigten sich ausgesprochen gastfreundlich und hilfsbereit – umso bemerkenswerter angesichts der erheblichen Änderungen, die aufgrund der Trockenheit kurzfristig bewältigt werden mussten.

Nordhorn zeigte damit zugleich etwas, das für die gesamte Youngtimer-Szene wichtig ist:

Eine lebendige Szene braucht keine künstlichen Grenzen. Nicht die eine Marke, die eine Baureihe oder der vermeintlich richtige Kreis entscheidet über die Qualität eines Treffens. Gerade die Vielfalt und das Miteinander von Praktikern, Sammlern, Clubs, Unternehmen und Enthusiasten machen solche Veranstaltungen stark. Wer historische Landtechnik langfristig erhalten möchte, sollte Menschen zusammenbringen statt ausgrenzen.

Ein MB-trac verliert schließlich nichts von seiner Faszination, weil neben ihm ein Fendt steht. Ein John Deere Knicklenker wird nicht weniger beeindruckend, weil auf demselben Acker ein Intrac arbeitet. Im Gegenteil: Erst im direkten Vergleich werden die unterschiedlichen technischen Ideen ihrer Epoche wirklich sichtbar.

Aus der Not eine Stärke gemacht

Der Youngtimer-Feldtag 2026 konnte nicht so stattfinden, wie ihn die Organisatoren ursprünglich geplant hatten. Die Trockenheit reduzierte die vorgesehenen Erntevorführungen erheblich und erforderte kurzfristig ein neues Konzept.

Doch statt aufzugeben, wurde improvisiert.

Das Ergebnis waren rund 1.600 Besucher, etwa 200 Fahrzeuge und Maschinen, 20 Hektar Bodenbearbeitung, ein außergewöhnliches Veranstaltungsgelände und eine bemerkenswerte Bandbreite historischer Landtechnik.

Vor allem aber wurde deutlich, weshalb Veranstaltungen wie diese wichtig sind. Youngtimer sind inzwischen technische Zeitzeugen. Sie erzählen von einer Phase des Landmaschinenbaus, in der Leistung und Komfort schnell zunahmen, Hersteller neue Fahrzeugkonzepte erprobten und Elektronik noch längst nicht sämtliche Funktionen bestimmte.

In Nordhorn durfte man diese Geschichte nicht nur betrachten.

Man konnte sie hören, riechen – und auf dem Acker arbeiten sehen.

Genau das sollte ein Youngtimer-Feldtag sein.